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+++ HNA-Interview zum Römerlager bei Oberode +++
Die HNA berichtet in ihrer Ausgabe vom 7. Februar 2008 ausführlich über das bei Oberode entdeckte römische Militärlager (siehe auch Meldung vom 5. Februar 2008):
"Die Entdeckung des Römerlagers bei Hedemünden 2003 war eine Sensation. Es ist von der Rheinlinie, der Grenze des römischen Reiches aus gesehen der am weitesten nach Osten vorgeschobene römische Truppenstützpunkt. Jetzt hat sich herausgestellt, dass dieses Leger sogar einen Außenposten bei Oberode hatte: den Ringwall Kring. Er galt bisher als mittelalterliche Festung. Diese Entdeckung hat selbst den Göttinger Kreisarchäologen Klaus Grote überrascht.

Der Volksmund hat der Wallanlage am Ravensberg im Kaufunger Wald bei Oberode den Namen Kring gegeben. Sie ist im Gelände klar zu erkennen. Der name leitet sich nach Angaben des Göttinger Kreisarchäologen Klaus Grote von Ring und Kringel her. Der ovale Ringwall hat eine Fläche von etwa 70 mal 110 Metern. (Text und Grafik: HNA) |
Interview mit dem Göttinger Kreisarchäologen Dr. Klaus Grote:
HNA: Herr Grote, 2003 entdeckten Sie das große Römerlager bei Hedemünden, jetzt die römische Bastion bei Oberode. Wann rechnen Sie mit der nächsten großen Entdeckung in der Region?
Grote: Wahrscheinlich werden wir noch kleinere römische Posten finden. Sowohl in Richtung Göttingen als auch in Richtung Kassel. Aber ich rechne nicht mehr mit so großen Entdeckungen wie im Fall von Hedemünden und Oberode. Das war schon außergewöhnlich.
HNA: Was heißt kleinere Posten?
Grote: Befestigte Punkte, die dazu dienten, Marschwege zu sichern, oder um Signale per Spiegel oder mit Feuer abzugeben. Also Kommunikationspunkte. So konnte man natürlich viel schneller und sicherer Nachrichten absetzen, als wenn man Reiter aussenden musste.
HNA: Wie muss man sich solche Posten vorstellen?
Grote: Zum Beispiel als Türme, die mit Palisaden gesichert waren.
HNA: Kommen wir zurück zu der Anlage bei Oberode. Als Sie 2003 das Lager bei Hedemünden fanden, war das eine Sensation. Es ist der am weitesten nach Osten vorgeschobene Stützpunkt der Rheinlinie, der Grenze des römischen Reiches. Wie ordnen Sie da Oberode ein?
Grote: Wenn wir Hedemünden nicht gefunden hätten, wäre die Entdeckung bei Oberode die Sensation gewesen. Jetzt war es eine große Überraschung, dass dich der Ringwall Kring, der als mittelalterliche Festung galt, als römischer Posten erwies. Damit hatte ich auch nicht gerechnet. Die Erkenntnis dieses Fundes ist, dass es ein richtiges römisches Netzwerk in unserer Region gegeben hat und Hedemünden kein Einzellager war.
HNA: Der Kring galt als mittelalterliche Anlage, wieso suchten Sie dort nach Römerspuren?
Grote: Zufall. Im Rahmen einer Routineuntersuchung nahm das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in Hannover Anfang 2007 Bauholzproben aus dem Wallkörper unter die Lupe, um die Anlage genauer dem Mittelalter zuordnen zu können. Und dann kam die Überraschung, dass der Kring viel, viel älter ist. Die Forscher ordneten ihn den Jahrzehnten um Christi Geburt zu.
HNA: Das rief Sie natürlich sofort auf den Plan ...
Grote: Ja. Wir haben sofort begonnen, den Kring auf Römerspuren zu durchsuchen.
HNA: ... mit vollem Erfolg ...
Grote: Wir stießen überall in dem 4000 Quadratmeter großen Innenraum auf römische Fundstücke aus der Zeit des Kaiser Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.). Erwähnenswert sind vor allem die besonderen eisernen Sandalennägel, die überall im Boden lagen. Diese Nägel wurden – das wissen wir aus anderen Untersuchungen – in dieser Form nur im Zeitalter Kaiser Augustus' verwandt. Absolut typisch und bestens geeignet, um die Anlage zu datieren.
HNA: Aber das sind nicht die einzigen Stücke.
Grote: Nein. Für die genauere Datierung war vor allem auch eine römische Münze wichtig, die aus Nimes in Frankreich stammte. Sie wurde in der Zeit von 16 bis 8 vor Christus geprägt und war als Legionärssold gebräuchlich. Damit können wir das Lager in die Zeit der Vorstöße unter dem römischen Feldherrn Drusus einordnen. Weiter fanden wir noch einen römischen Zelthering, eiserne Wagenteile und Reste einer Amphore. Erwähnenswert ist auch, dass wir dort nur römische Stücke gefunden haben. Nichts aus dem Mittelalter.
HNA: Sie kommen zu dem Schluss, dass der Kring eine Außenstelle des großen, mehrteiligen Lagers bei Hedemünden oberhalb der Werra ist. Wieso?
Grote: Ein alter römischer Marschweg führt von der Anlage bei Hedemünden auf den Kring bei Oberode zu. Und zwar auf das einzige Tor. Er ist im Gelände nachweisbar, und wir haben auf ihm mittlerweile viele Stücke aus römischer Zeit gefunden. Sie reihen sich wie eine Perlenschnur aneinander. Auf die Spur dieses Weges brachte uns ein römischer Dolch, den wir dort im Frühjahr 2007 sicherstellten.
HNA: Welche
Funktion hatte der Kring für die Römer?
Grote: Ganz genau können wir das nicht sagen. Vielleicht war es ja ein Signalposten. Er liegt sehr hoch – etwa 380 Meter hoch. Von dort hatte man einen guten Blick nach Süden, konnte herannahende Feinde schnell erkennen und Warnsignale zum Hedemündener Lager geben. Bis dahin waren es nur 2,5 Kilometer. Außerdem lag es viel tiefer etwa auf 210 Meter. Man hatte sogar Blickkontakt. Sicher ist aber, dass es in dem Kring eine dauerhafte größere Besatzung gab. Darauf weisen auch gefundene Keramikreste hin. Wo Scherben im Boden liegen, kann man vermuten, dass sich dort Menschen häuslich niedergelassen haben. Es könnte also sein, dass der Kring auch eine Raststätte für die Römer auf dem beschwerlichen Weg durch den Kaufunger Wald war.
HNA: Wie groß war die Anlage im Vergleich zu Hedemünden?
Grote: Deutlich kleiner. Um das große Lager in Hedemünden zu unterhalten, waren dauerhaft etwa 200 Leute nötig. Sie sorgten dafür, dass die römischen Heerscharen hier Station machen konnten. Im Kring waren es vermutlich 40 bis 50 Legionäre, die dort stationiert waren.
HNA: Die Römer waren in
Südniedersachsen offenbar nicht nur auf dem Durchmarsch.
Grote: Nein, sie haten hier bereits ein Netzwerk, eine Struktur eingerichtet. Hätte es nicht die große Niederlage bei der Varusschlacht gegeben, wäre Südniedersachsen vielleicht Teil einer römischen Provinz geworden.
HNA: Wie geht es jetzt weiter?
Grote: Wir werden vermutlich noch in diesem Jahr eine Probegrabung vornehmen, um den Aufbau der Wehranlage aus Wall und Graben noch genauer kennen zu lernen."
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