|
+++ Bericht über Römerlager-Vortrag in Bad Karlshafen +++
In ihrer Hofgeismarer Ausgabe vom 23. November 2006 berichtet die HNA von einem Vortrag über das Hedemündener Römerlager, den Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote in Bad Karlshafen gehalten hat:
"Mit einem spannenden Vortrag über das Römerlager Hedemünden beendete der Verein Fundus-Bildarchiv Karlshafen seine diesjährige Vortragsreihe im Landgrafensaal des Rathauses. Vor über 70 Gästen sprach der Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote (Göttingen) über das herausragende archäologische und landesgeschichtliche Kulturdenkmal an der Werra.
Die Zuhörer des mit Dias unterlegten Vortrags erwarteten mit Spannung Aussagen Grotes zu der These eines Römerlagers in Helmarshausen (wir berichteten). Dr. Grote machte allerdings deutlich, dass er dies für ausgeschlossen halte und führte als Hauptargument das Fehlen jeglicher Fundstücke an.
Einzelne Münzfunde könnten auch von Germanen stammen, die Römermünzen gerne als Schmuck und im Tausch gegen Waren genommen hätten; erst das Auffinden mehrerer Münzen aus derselben Zeit würden erste Hinweise auf ein mögliches Lager darstellen. Auch der von Walter Würfel aufgeworfene Theorie, Helmarshausens Grundriss entspräche exakt den Abmessungen eines Römerlagers, widersprach der Archäologe. Die stark geometrischen Abmessungen eines Lagers seien erst in späterer Zeit üblich gewesen; selbst das Lager Hedemünden sei nicht in dieser strengen Form ausgerichtet, wie Funde von Gebäudegrundrissen auf der Verbindungslinie zwischen Nord- und Südtor belegten.
Die Marschwege der römischen Legionen orientierten sich zudem nachweislich an heute noch existierenden Hauptverkehrswegen, die den alten Handelsstraßen folgten. Als Beispiele nannte Dr. Grote die Bundesstraßen 1 und 3, aber auch die B 64. Entlang dieser Routen gäbe es durchaus Funde.
Selbst die Marschleistungen der römischen Truppen von 18 bis 25 Kilometer pro Tag ließen keinen Schluss auf Helmarshausen zu, da man durch Funde bei Kaufungen, Kassel und Fritzlar die Feldzüge des Drusus belegen könne und die Legionen des Varus nördlich von Höxter von und nach Xanten gezogen seien.
Immerhin sagte Dr. Grote aber zu, die vorhandenen Münzfunde aus Helmarshausen zu prüfen und eine Adresse zur genauen Bestimmung zu übermitteln.
Grote überraschte zum Auftakt mit der Aussage, dass die Römer die Werra als Quellfluss der Weser und die Fulda nur als Nebenfluss angesehen hatten.
Vor rund 2000 Jahren wurde im Zuge der militärischen Vorstöße römischer Legionen in das germanische Gebiet zwischen Rhein, Weser und Elbe ein Versorgungs- und Marschlager auf einer Hochfläche nahe des heutigen Hedemünden angelegt. Der von Mittel- und Nordhessen kommende alte Heer- und Handelsweg überquerte hier an einer Furt die Werra und führte nach Nordosten weiter in das Leinetal. So dominierte und nutzte man diesen Kreuzungspunkt mit dem Schifffahrtsweg der Weser.
Wegen illegaler Raubgrabungen und Fundverschleppungen auf dem seit über 100 Jahren durch römische Fundstücke bekannten Gelände fanden seit 1998 Untersuchungen statt, die weit über 1200 Fundstücke zu Tage brachten. Ende 2003 stand fest, dass man das größte Lager östlich des Rheins gefunden hatte und ging mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit.
Die römischen Aufenthalte werden in die Regierungszeit der Kaiser Augustus und Tiberius (27 vor Christus bis 37 nach Christus) datiert. Die Gründung geht wohl auf den Feldherren Drusus zurück, der mit seinen Legionen 9 vor Christus von Mainz über Hessen zur Elbe marschiert ist und bei Hedemünden die Werra überquert haben dürfte."
Weitere Informationen über das Hedemündener Römerlager |