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+++ Letzter Milchbauer zwischen Witzenhausen und Münden gibt auf +++
Am 8. Februar 2006 berichtet die HNA über den Hedemündener Landwirt Thomas Weitemeyer, der sich von seinen Milchkühen trennt und sich in Zukunft auf die Bewirtschaftung von Ackerland und Weiden konzentriert:
"Schluss, aus und vorbei. Für Landwirt Thomas Weitemeyer bricht ein neues Kapitel an. Noch in dieser Woche wird die letzte seiner einst 40 Milchkühe seinen Hof bei Hedemünden verlassen.
Ein einschneidendes Ereignis – nicht nur für ihn und seine Familie, sondern für die ganze Region. Denn mit Weitemeyers Aufgabe der Milchwirtschaft verlässt die letzte Kuh das Werratal: 'Es wird dann zwischen Witzenhausen und Hann. Münden keinen Landwirt mehr geben, der Milch liefert', sagt der Bauer.
Dass es soweit kommt, damit hätten Thomas Weitemeyers Eltern Johanna und Georg niemals gerechnet, als sie 1968 aus dem beengten Hedemündener Ortskern zogen und sich nördlich des Dorfes, nicht weit von der Autobahn entfernt, einen neuen Hof mit großen Kuhstall bauten – damals einer der modernsten weit und breit.
'Die Milchwirtschaft hatte noch einen ganz anderen Stellenwert', erinnert sich Georg Weitemeyer. 'In jedem Dorf gab es selbstverständlich auch Milchkühe und die Molkerei war gleich in Gertenbach'. Die Milchkontrollaufzeichnungen aus dem Jahr weisen folgenden Viehbestand für die Werrataldörfer aus: Hedemünden 62, Laubach 15, Lippoldshausen 135 und Oberode 48 Milchkühe. Doch immer mehr Landwirte gaben auf.
Momentan macht den Bauern vor allem der niedrige Milchpreis zu schaffen, der nur knapp über den Produktionskosten liegt. 'Es lohnt sich kaum noch', sagt Thomas Weitemeyer, der den Hof 1998 nach Lehre und Meisterprüfung von seinem Vater übernommen hat. Der Milchpreis sank – nicht zuletzt durch die Marktmacht und die Dumpingpreise der Discounter –, die Kosten kletterten. Dem Kostendruck habe man aber halbwegs standhalten können, weil nahezu das ganze Futter auf dem Betrieb direkt produziert wurde. Hinzu kommt die enorme Arbeitsbelastung, seit dem seine Eltern aus gesundheitlichen Gründen im Stall nicht mehr so mithelfen können wie früher.
Und die Kühe? 'Um die tut es mir schon leid', sagt Weitemeyer. Die Kühe gaben bislang den Tages- und Jahresablauf vor. Morgens und abends musste gemolken werden, auch an Weihnachten und Silvester. Und wenn Urlaub anstand, musste eine Vertretung her. Einige der Tiere werden nun an andere Milchbauern verkauft, andere gehen über den Export nach Osteuropa oder Nordafrika. Für einige Kühe steht aber auch der Gang zum Schlachter an.
Arbeitslos wird Weitemeyer ab Februar dennoch nicht. Er bewirtschaftet weiter 120 Hektar Ackerland sowie 30 Hektar Wiesen und Weiden. Die sollen künftig mit Mutterkühen gepflegt werden, die den Großteil des Jahres draußen weiden. Gemolken werden diese Kühe aber nicht mehr, denn die Milch bekommt nicht mehr der Mensch, sondern ausschließlich das Kalb, das an der Seite der Mutter groß wird." |