+++ Firma Kohlstedt von Küchenschließung im VKH betroffen +++

Die HNA berichtete Mitte Juli 2005 in verschiedenen Ausgaben über die vorgesehene Schließung der Küche des Vereinskrankenhauses (VKH) in Hann. Münden. Das Krankenhaus möchte sich von der Küche trennen und sich künftig von einem externen Unternehmen mit Speisen beliefern lassen, um auf diese Weise Kosten zu sparen. In diesem Zusammenhang berichtet die HNA am 19. Juli 2005 über die Hedemündener Firma Kohlstedt, die als Zulieferin von Lebensmittel-Frischprodukten möglicherweise von derartigen Rationalisierungen ebenfalls betroffen ist:

"So frisch wie möglich sollten die Lebensmittel beim Kunden ankommen. 30 Jahre lang hat die Firma Wilma Kohlstedt OHG mit Sitz im Hedemündener Graseweg ihre Geschäftspolitik danach ausgerichtet. Und sie ist damit hervorragend gefahren, weil das Fachhandelsgeschäft für Tiefkühlkost die Wünsche seiner Abnehmer traf.

Und so erweiterte sich der Geschäftsbereich des in der zweiten Generation stehenden Familienbetriebes von Jahr zu Jahr mehr. Bis Alfeld im Norden, Nordhausen im Osten, Bad Hersfeld im Süden sowie Holzminden im Westen fahren zwischenzeitlich die Kühlfahrzeuge. Zehn Mitarbeiter finden hier Arbeit und Lohn.

Doch seit geraumer Zeit erleben Kohlstedts, dass ein Teil der Kunden nicht mehr die Frische einer Tomate beurteilt, sondern nur noch darauf achtet, wie ein Produkt eine lange logistische Kette übersteht.


Bildquelle: HNA

Das ist genau der Weg, den jetzt auch das gemeinnützige Unternehmen Pro Diako für das Mündener Vereinskrankenhaus einzuschlagen gedenkt. Es will, wie wir berichteten, zum April kommenden Jahres das Tochterunternehmen Coavia in Magdeburg mit dem Catering-Service für das Mündener Hospital beauftragen, wie es bereits bei etlichen anderen Häusern praktiziert wird. Ihren bisherigen Kunden, darunter auch der Hedemündener Firma Kohlstedt, schickte Pro Diako diese Nachricht. Kohlstedt hat in der Vergangenheit mehrere Einrichtungen in der Region mit ihren Frischeprodukten beliefert. 'Demnächst fehlen uns täglich mehrere 100 Essen', stellte Marianne Kohlstedt, die Ehefrau des Hedemündener Firmeninhabers, nüchtern fest. Wie sie diesen Ausfall kompensieren kann, weiß sie noch nicht.

Denn es sei ja nicht Pro Diako allein, die auf diesen Zug aufgesprungen sei. Überall, so urteilte sie, machten sich ähnliche Tendenzen bemerkbar. Die Einrichtungen wollten sich von teuren Köchen und qualifizierten Küchenkräften lösen. Das Essen werde so eingekauft, dass es von ungelernten und damit auch kostengünstigen Küchenkraften nur noch erhitzt werden müsse.

Die Folge: Bisherige Kunden von Kohlstedt würden nur noch bei bundesweit gelisteten Händlern ordern. Lokal arbeitende Betriebe hätten somit gar keine Chance, an Aufträge zu gelangen, weil sie logistisch halt nicht bundesweit liefern könnten.

Die Konsequenz sei absehbar: Ganze Regionen würden auf diese Weise ausbluten. Dies sei umso tragischer, weil mittelständische Betriebe bekanntlich die meisten Arbeitsplätze stellten. Für Marianne Kohlstedt ist dieser Schritt aber noch nicht das Ende. Die in Magdeburg anfallenden Produktionskosten würden eines Tages auch wieder als zu hoch angesehen. Dann würden die Manager in Richtung Polen und andere osteuropäische Billiglohnländer schielen. Keine Utopie, denn schon heute werde Milch durch halb Europa gekarrt.

Und dann müssten halt Produkte her, die eine noch längere Transportkette überstünden. Auf der Strecke dürften dann noch mehr die Frischequalität und vor allem wieder die Arbeitsplätze bleiben – dann halt in Magedburg, prognostizierte sie."

Quelle: HNA Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA) – 19.07.2005

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