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+++ Bericht über den Zustand des Ökosystems Werra +++
In ihrer Ausgabe vom 7. Juli 2005 berichtet die HNA ausführlich über den kritischen Zustand des Ökosystems Werra, der sich auf dem Abschnitt zwischen Witzenhausen und Hann. Münden durch verstärkten Algenwuchs bemerkbar macht:
"Noch Ende März gab es gute Nachrichten aus dem Umweltministerium Thüringens: Die zu DDR-Zeiten biologisch tote Werra habe wieder eine 'vernünftige Wasserqualität', die Salzfracht aus dem Kali-Revier zwischen Thüringen und Hessen sei von 28 Gramm auf nur noch 2,5 Gramm pro Liter gesunken. Die Werra lebe wieder.
Wie die Werra lebt, kann derzeit vielerorts vom Ufer aus begutachtet werden: An manchen Stellen gleicht der Fluss einer grünen Wiese, so dicht blühen Algen, die normalerweise nur an Meeresküsten vorkommen. Für Prof. Dr. Ulrich Brauckmann und Dipl. Ing. Gerd Hübner von der Universität Kassel sind die grünen Algenteppiche Ausdruck tief greifender Störungen des Ökosystems Werra.

Bildquelle: HNA |
Brauckmann und Hübner vom Fachbereich Gewässerökologie des Uni-Standorts in Witzenhausen haben in einer neuen Studie nachgewiesen, dass die Qualität des Werrawassers noch immer schlecht ist, viele flusstypische Pflanzen und Tiere fast völlig fehlen.
Auch wenn die Salzbelastung durch die Kali-Industrie in den vergangenen 15 Jahren stark gesenkt wurde und wesentlich gleichmäßiger verteilt sei, erreiche die Werra nur die schlechteste der fünf möglichen Zustandsklassen und zähle zu den am stärksten belasteten Fließgewässern Mitteleuropas.
Sichtbar werde dies durch die Algenmassen etwa zwischen Witzenhausen und Hann. Münden. Die Organismen wüchsen sonst nur im Meerwasser. Auch die intensive Braunfärbung durch winzige Kieselalgen werde durch ein Übermaß an Nährsalzen hervorgerufen.
Heimische Pflanzen sind laut der Studie weit gehend verdrängt, die Kleintierwelt bestehe vorwiegend aus Nordamerika eingeschleppten Flohkrebsen, der neuseeländischen Zwergdeckelschnecke und salztoleranten Zuckmücken-Arten. Diese Tiere stellten für Fische nur eine äußerst einseitige Nahrungsgrundlage dar. Viele flusstypische Bewohner fehlten der Werra nahezu völlig.
Die Kasseler K+S AG als Betreiberin der Kaliwerke an der Werra verwies auf die erheblichen Anstrengungen, den Zustand des Flusses zu verbessern. Früher sei die Werra tot gewesen, heute wieder in einem stabilen Zustand, auch wenn Flora und Fauna nicht sehr artenreich seien, sagte Firmensprecher Ulrich Göbel. Solange die Kaliindustrie bestehe, werde es nicht gelingen, den Fluss salzfrei zu bekommen. Göbel: 'Man kann nicht einen Gebirgsbach fordern, an dessen Ufer Industrie betrieben wird.'"
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