+++ Neue Erkenntnisse über das Hedemündener Römerlager +++

In ihrer Ausgabe vom 11. Februar 2005 berichtet die HNA über eine Präsentation von Fundstücken aus dem Hedemündener Römerlager durch den Kreisarchäologen Dr. Klaus Grote. Nachfolgend Auszüge aus dem Artikel der HNA:

"Unter den insgesamt über 600 Einzelstücken gelten 300 Metallobjekte als definitiv römisch. Bei bis zu 150 Stücken ist eine römische Herkunft sehr wahrscheinlich. Der Rest hat eine jüngere Geschichte. In die unter Wissenschaftlern geachtete Sammlung zählen Münzen, Lanzenspitzen, Katapult-Pfeilspitzen, das Fragment eines Kurzschwertes, eine Pionierschaufel und eine Pferdetrense.

'Teilweise müssen wir bis Pompeji schauen, um parallele Stücke zu finden', stellte Grote die Einzigartigkeit der Funde heraus. Ein Hammer etwa sei komplett erhalten. Von einem Kummetbügel (Bestandteil des Ziehgeschirrs bei Maultieren), wie er in Hedemünden ausgegraben wurde, seien insgesamt vielleicht zwei, drei vergleichbare Stücke gesichert.

Inzwischen gilt die Anlage bei Hedemünden als das besterhaltene Militärlager nördlich der Alpen und außerhalb des römischen Reichsgebietes. Es ist der einzige römische Stützpunkt östlich der Weser. 'Vielleicht gibt es noch östlichere Lager. Aber die sind bislang noch nicht entdeckt', sagte der Archäologe.

Das niedersächsische Kulturdenkmal besteht aus einem 3,2 Hektar großen Vorratslager und zwei Marschlagern (zehn und 1,5 Hektar groß). Probegrabungen an den Befestigungen lieferten Hinweise auf Innenbebauungen mit Zelten. Auch Hinweise auf Holz-Lehm-Bauten liegen vor. Zudem lüftet sich das Geheimnis um die vor einem Jahr noch als 'auffällig' bewerteten Hangterrassen am Burgberg. Zumindest die obere Terrasse ist Bestandteil des Lagers.

Grote hält es für wahrscheinlich, dass sich der historische Fundort in seiner Größe über die jetzt gesicherten Grenzen hinaus ausdehnt. Er vermutet im Gewerbegebiet Hedemündens und auch im zwei Kilometer entfernten Oberode Spuren der Römer. Seine Annahmen stützt der Experte auf luftbildarchäologische Befunde.

Gefunden ist inzwischen auch die antike Fluss-Übergangsstelle an der Werra. Gemeinsam mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden ist Grote im Januar den Fluss abgefahren. Dabei wurde mit Echolot ein Tiefenprofil der Werra erstellt. An einer Stelle, an der der Fluss ursprünglich nur knietief ist, hat Grote die Furt entdeckt: 'Selbst die Brückenköpfe kann man sehen.'

Dieser Bereich soll noch stärker untersucht werden. Auf der Suche ist Grote nach einer Schiffanlandestelle. Denn die Versorgung der zum Teil mehreren tausend Legionäre habe nicht allein über die Bevölkerung gesichert werden können. Lebensmittel mussten zudem auf der Werra ins Lager transportiert worden sein."


Quelle: HNA Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA) – 11.02.2005

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