+++ Römerlager aus vorchristlicher Zeit bei Hedemünden entdeckt +++
Am 6. und 7. April 2004 berichteten sowohl die örtlichen und regionalen Medien (HNA, Göttinger Tageblatt, NDR) als auch die überörtliche (Kölnische Rundschau, Ostsee-Zeitung u.a.) sowie internationale Presse (Der Standard, Wien; Schweizer Fernsehen SF DRS u.a.) über die Entdeckung eines Römerlagers bei Hedemünden. Nachfolgend werden einige Medienberichte im Original-Wortlaut wiedergegeben.
Römer-Grabung im Wettlauf mit der Zeit und mit Raubgräbern
Aus zwielichtigen Kreisen kamen die ersten Hinweise auf die Existenz des Römerlagers: Informanten mit Kontakten zu Raubgräbern berichteten, auf dem Berg seien Münzen aus römischer Zeit gefunden worden. Viel Glauben wurde ihnen nicht geschenkt – bis im Jahr 2000 in der Nähe eine klar aus römischer Zeit stammende Lanzenspitze gefunden wurde.
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Sensation: Im Wall fand Grote (mit Karte)
die erste Axt (Bildquelle: GT) |
„Damit”, so Grote, „war klar, dass auch die Geschichten über die Münzfunde plausibel waren.” Vorher war die Befestigung im Wald anderthalb Kilometer westlich von Hedemünden für einen germanischen Fluchtburgwall gehalten worden. Die Anlage in strategisch herausragender Position auf der Hochfläche oberhalb des Steilhangs zum Werratal ist sogar auf den im Handel erhältlichen Regionalkarten eingezeichnet – als „Ringwall” oder „Kleine Burganlage”.
Im vergangenen Jahr wurde die Erkundung der Anlage durch die Kreisarchäologie forciert – „immer im Wettlauf mit der Zeit und mit den Raubgräbern”, erläutert Grote bei der Vorstellung der Ausgrabung gestern. Fündig wurde sein Team sofort – praktisch im ersten Geländeschnitt stießen die Archäologen 20 Zentimeter unter der Walloberfläche auf die erste Pionieraxt, eine so genannte Dolabra. Weitere Funde aus Eisen, Bronze, Ton und Silber folgten: Lanzen, Sicheln, Eisenketten, Hacken, Zeltheringe, Münzen, Nägel, Ringbänder, Beschläge, Speerspitzen und mehr.
Der Gesamtbefund: Das angelegte Lager 65 bis 90 Meter oberhalb der historischen Werrafurt besteht aus mindestens zwei Teilen. Das Hauptlager, etwa 320 mal 150 Meter oder 3,2 Hektar groß, war mit einem durch vier Tore durchbrochenen Wall und einem davor liegenden Graben mit Spitzprofil umgeben. Beides ist im Gelände noch heute gut erkennbar. In diesem Teil haben Zelte und vermutlich Holzhäuser gestanden, sagt Grote. Wahrscheinlich habe es sich um ein Versorgungslager für die römischen Legionen mit einer Dauerbesatzung von 50 bis 120 Mann gehandelt.
Weniger deutlich ist das Lager II auszumachen, der Wall hat heute nur noch eine Höhe von etwa 40 Zentimetern. Gefunden wurden hier unter anderem eine eiserne Pionieraxt, Nägel, ein Zelthering und Baubeschläge. Die Lager I und II wurden wohl mit Katapulten gesichert – darauf deuten die ausgegrabenen Bolzen hin.
Von dem Lager III westlich des Hauptlagers ist heute nichts mehr zu sehen – hier stießen die Archäologen nur auf eine Fülle von Einzelfunden. Noch ungesicherter ist die Existenz des Lagers IV östlich der Hauptanlage. Dort sind nur einige merkwürdige Bodenveränderungen wie beispielsweise Terrassierungen vorhanden. Grote hält es für möglich, dass es hier ein großes, sieben bis acht Hektar umfassendes Marschlager gegeben hat. Wie lange die einzelnen Lager Bestand hatten und wann sie genau genutzt wurden, ist noch nicht geklärt.
Eins, so Grote, sei allerdings klar: „Die Anlage ist eindeutig größer als ein normales Marschlager.” Der Kreisarchäologe vermutet zudem, dass die Besatzung des Dauerlagers mit der einheimischen Bevölkerung Handel trieb.
Grote nimmt an, das Hauptlager habe der Versorgung der römischen Legionen auf ihrem Vordringen nach Norden gedient. Von besonderem wissenschaftlichen Interesse ist das Lager deshalb, weil sie sich weit außerhalb des Limes, des dauerhaften Befestigungsbauwerks des römischen Reiches, befand, betont Landesarchäologe Henning Haßmann.

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Teil des befestigten Lagers: Graben mit Spitzprofil
(Bildquelle: GT) |
Entdecker: Klaus Grote
(Bildquelle: GT) |
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Auf Grund dieser Überlegung und anderer, vorläufig noch ungenauer Datierungsmöglichkeiten ist für die Fachleute ein Zusammenhang der Errichtung der Anlage mit den Feldzügen unter Nero Claudius Drusus am wahrscheinlichsten. Im Jahr 9 vor Christus zog Drusus mit seinen Legionen von Mainz über die Wetterau, den Fuldaübergang bei Kassel, danach über den Kaufunger Wald zur Werrafurt bei Hedemünden und von dort über das Leinetal, Elze und Hildesheim bis letztlich an die Elbe. Auch ein Zusammenhang mit der legendären Varusschlacht 9 nach Christus, bei der die römischen Eroberer von den Germanen vernichtend geschlagen wurden, und den Vorstößen unter Germanicus in den Jahren 15 und 16 nach Christus sei nicht auszuschließen, erläuterte Grote.
Mit den umfassenden Ausgrabungen hat die Anlage jetzt ihre Attraktivität für Raubgräber verloren, hofft Grote: „Für falsche Freunde der Archäologie ist nichts mehr da.”
Matthias Heinzel |
Quelle: Göttinger Tageblatt, 06.04.2004 |
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Lagerteile sollen freigelegt werden
HEDEMÜNDEN. Während die einen wegen der sensationellen Entdeckung des Römerlagers bei Hedemünden noch ganz aus dem Häuschen sind, überlegen andere, wie sich der Fund in ein regionales Tourismuskonzept einbinden lässt.
Den Menschen, die hier lebten und die die Region besuchten, dürfe dieses archäologische Juwel nicht vorenthalten werden, sagt Julia Bytom, Sprecherin der Stadt Hann. Münden. Es sei nun Aufgabe des Mündener Touristikvereins und des Naturparks Münden, ein Konzept zu erarbeiten. Die Fundstätte könne auf Tafeln erläutert werden. Expertenführungen sollten möglichst rasch in den Veranstaltungskalender des Naturparks Münden aufgenommen werden, so Bytom.
Der Landkreis Göttingen will den Fund gemeinsam mit weiteren archäologischen Entdeckungen in einer Broschüre dokumentieren. Kulturdezernent Franz Wucherpfennig möchte den Landkreis mit Hilfe seiner historischen Schätze bekannter machen. Neben dem Römerlager existierten mit den Hügelgräbern aus der Bronzezeit bei Desingerode (Duderstadt), den Bodendenkmalen aus der Steinzeit nahe Seulingens oder etwa einer Fluchtburg aus dem 8. Jahrhundert bei Bernshausen (Seeburger See) weitere nennenswerte Zeitzeugen der Geschichte.
Daneben würden die Funde aus dem Römerlager bei Hedemünden in Ausstellungen in Hann. Münden und Göttingen publikumswirksam aufbereitet. Allerdings müssen hierfür die wissenschaftlichen Arbeiten weiter vorangeschritten sein. Denn die aufgelesenen Gegenstände müssen zunächst restauriert werden.
Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote will auch einen Beitrag leisten, die Funde für die Region zu vermarkten. In welcher Form, könne er derzeit noch nicht sagen. Klar, werde es Info-Tafeln geben. Die könnten bereits am unterhalb des Burgberges verlaufenden Werra-Radweg aufgestellt werden und auf die bedeutende Stätte verweisen. Möglicherweise werde im Gelände ein Teil der Anlage rekonstruiert und hergerichtet. Das komplette Lager in seiner Ausdehnung von 320 mal 150 Metern könne jedoch nicht freigelegt werden. Er denkt an eine Fläche von etwa einhundert Quadratmetern. Die derzeit noch ausgehobenen Löcher an Wall, Spitzgraben und Toren des Versorgungslagers würden bald wieder verfüllt.
Den Funden gleich ein ganzes Museum zu widmen, hält Grote für nicht erforderlich. Entsprechende Einrichtungen existierten bereits, etwa in Kalkriese oder Haltern bei Recklinghausen (siehe auch unten). Jedoch sei es denkbar, im Landesmuseum in Hannover eine Abteilung einzurichten, die sich mit der römischen Geschichte in Niedersachsen befasst.
Grote schätzt, dass er und seine Studenten noch zwei, drei Jahre mit Arbeiten im Gelände beschäftigt sein werden. Erst dann ließe sich ein konkretes Vermarktungskonzept vorlegen. Bis dahin würden geophysikalische Messungen vorgenommen, Luftbilder ausgewertet und die Strukturen des Untergrundes analysiert. Die Zusatzlager, die sich in Nachbarschaft zu dem Versorgungslager befinden und von denen eines an die zehn Hektar groß sein könne, würden nun nach und nach unter die Lupe genommen. „Weil das Geld kostet, wird es seine Zeit dauern“, meint der Archäologe.
Eines aber scheint Grote wahrscheinlich: 2009 jährt sich zum 2000. Mal die Varusschlacht. Dieses Datum wird nun, nach den Entdeckungen des frühkaiserzeitlich römischen Lagers bei Hedemünden, wohl auch in dieser Region eine starke Beachtung finden. |
Quelle: HNA, 07.04.2004 |
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Römerlager bei Göttingen entdeckt
Fachleute sprechen von einer wissenschaftlichen Sensation: An der Werra bei Hedemünden im Kreis Göttingen haben Archäologen ein großes Römerlager aus dem ersten Jahrzehnt vor Christus entdeckt. Die Hauptanlage auf einem Hügel ist 350 mal 150 Meter groß und von Wall und Graben umgeben. Aus Angst vor Grabräubern wurde der Ort zunächst geheimgehalten. Am Dienstag konnten Experten aus ganz Deutschland den Fundort und die Funde besichtigen.
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(Bildquellen: NDR) |
Versorgungsstelle auf dem Weg nach Norden?
Außer der großen Anlage gibt es noch mehrere kleinere Lager, die ebenfalls von Wällen und Gräben umgeben sind. Kreisarchäologe Klaus Grote glaubt, das Hauptlager könnte dazu gedient haben, die römischen Legionen auf ihrem Zug nach Norden zu versorgen. Im Lager standen vermutlich Holzhäuser, mit Sicherheit aber Zelte. Das lässt sich aus Zeltheringe schließen, die die Wissenschaftler gefunden haben. Viele Streitäxte, Stoßlanzen, Sicheln, Katapult-Bolzen, Münzen und auch ein Glockenklöppel lagen ganz dicht unter der Oberfläche. Kreisarchäologe Grote präsentierte seinen Kollegen zahlreiche gut erhaltene Funde aus Eisen, Bronze, Ton und Silber.
Bei früheren Grabungen nicht gefunden
Die mit vier Toren versehene große Befestigung sei den örtlichen Archäologen längst bekannt gewesen, sie hätten sie aber zeitlich nicht einordnen können, berichtete Grote. Bei Grabungen der Universität Göttingen war 1965 noch keine Hinweise auf römische Legionäre gefunden worden. Bisher haben Wissenschaftler nur fünf der kleineren Lager grob auf ihre Baugeschichte untersucht. Vermutlich handele es sich um Marschlager für größere Truppenteile, die jeweils nur kurze Zeit benutzt worden seien.
Grabräuber als Hinweisgeber
Letztlich haben Grabräuber die Archäologen auf die Spur gebracht: Durch Mittelsmänner erfuhr Grote, dass Grabräuber auf dem Berg römische Münzen gefunden hatten. "Elektrisiert" habe er im Winter mit seinen Mitarbeitern das Gelände mit Metalldektoren systematisch abgesucht und jedes Metallteil kartiert. Nachdem es getaut hatte, wurden sie sofort fündig: Nur 20 Zentimeter tief in der Erde konnten sie die erste von bisher vier eisernen Streitäxten bergen. Insgesamt 250 Objekte wurden ausgegraben. Einige lagen direkt unter dem Laub auf der Erde. Grote hofft, dass Raubgräber nun nichts mehr finden können.
Gebaut als die Römer nach Norden zogen
Die Fachleute halten es für am wahrscheinlichsten, dass die Wehranlagen an der Werra im Zusammenhang mit den Feldzügen unter Nero Claudius Drusus errichtet wurden. Dieser sei mit seinen Legionen von Mainz über die Werrafurt bei Hedemünden in das cheruskische Gebiet nach Osten bis an die Elbe vorgestoßen. Im ganzen Bundesgebiet lasse sich die entdeckten römischen Militärlagern aus dieser Zeit "an zwei Händen abzählen", sagte Grote. Die Wissenschaft sei froh über jedes Lager, das nachgewiesen werden könne. So vervollkommene sich das Bild vom römischen Reiches an seiner Nordgrenze. |
Quelle: Norddeutscher Rundfunk, 06.04.2004 |
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Riesiges Römerlager aus vorchristlicher Zeit entdeckt
350 mal 150 Meter große Hauptanlage nahe Göttingen ist mit Wall und Graben umgeben
Göttingen - Ein riesiges Römerlager aus dem ersten Jahrzehnt vor Christus ist auf einem Hügel an der Werra bei Hedemünden (Niedersachsen) entdeckt worden. Die 350 mal 150 Meter große Hauptanlage ist mit Wall und Graben umgeben. Fachleuten aus ganz Deutschland wurde der bisher aus Angst vor Raubgräbern geheim gehaltene Ort am Dienstag gezeigt. Die Spezialisten nannten den Fund "eine wissenschaftliche Sensation". Der Kreisarchäologe Klaus Grote präsentierte gut erhaltene Funde aus Eisen, Bronze, Ton und Silber.
Neben der großen Anlage gibt es noch mehrere kleinere Lager, die näher untersucht werden müssen. Das Hauptlager könnte nach Ansicht von Grote der Versorgung der römischen Legionen auf ihrem Zug nach Norden gedient haben. Dort standen vermutlich Holzhäuser, mit Sicherheit aber Zelte. Darauf weisen mehrere gefundene Zeltheringe hin. Die ausgegrabenen Katapultbolzen, Streitäxte, Stoßlanzen, Sicheln, ein Glockenklöppel oder Münzen lagen zum Teil ganz dicht unter der Oberfläche.
Am wahrscheinlichsten für die Errichtung der Wehranlagen an der Werra ist nach Ansicht der Fachleute ein Zusammenhang mit den Feldzügen unter Nero Claudius Drusus. Dieser sei mit seinen Legionen von Mainz über die Werrafurt bei Hedemünden in das cheruskische Gebiet nach Osten bis an die Elbe vorgestoßen. (APA/dpa) |
Quelle: Der Standard, Wien, 07.04.2004 |
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Grosses Römerlager beim deutschen Göttingen entdeckt
GÖTTINGEN - Ein riesiges Römerlager aus dem ersten Jahrzehnt vor Christus ist auf einem Hügel an der Werra bei Hedemünden (Niedersachsen) entdeckt worden.
Die 350 mal 150 Meter grosse Hauptanlage ist mit Wall und Graben umgeben. Fachleuten aus ganz Deutschland wurde der bisher aus Angst vor Raubgräbern geheim gehaltene Ort am Dienstag gezeigt. Die Spezialisten nannten den Fund "eine wissenschaftliche Sensation". Der Kreisarchäologe Klaus Grote präsentierte gut erhaltene Funde aus Eisen, Bronze, Ton und Silber.
Durch Mittelsmänner mit Kontakten zu Raubgräbern hatte Grote erfahren, dass auf dem Berg römische Münzen gefunden worden waren. "Elektrisiert" habe er im Winter zusammen mit seinen Mitarbeiten mit Metalldetektoren das Gelände systematisch abgesucht und jedes Metallteil kartiert. Nach der Tauperiode wurden sie sofort fündig. |
Quelle: Schweizer Fernsehen SF DRS, 07.04.2004 |
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Weitere Berichte zu den archäologischen Funden bei Hedemünden finden sich unter anderem in folgenden Online-Quellen (Google-Recherche vom 07.04.2004, zuletzt ergänzt am 04.08.2004):
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