+++ Römerlager: Wandertipp für die Osterfeiertage +++

Weitere Informationen zur Entdeckung des Römerlagers bei Hedemünden sowie eine Anfahrtbeschreibung finden sich in einer Pressemitteilung der Stadt Hann. Münden vom 6. April 2004, die nachfolgend im Originalwortlaut wiedergegeben wird:

Wandertipp an den Ostertagen:
Erstes römisches Lager in Niedersachsen bei Hedemünden gefunden

Hann. Münden. 75 Menschen haben die Präsentation der Ergebnisse der Geländearbeiten der archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Göttingen mit Interesse verfolgt.

  Landrat R. Schermann begrüßte gemeinsam mit Hann. Mündens Bürgermeister Klaus Burhenne die Gäste und eine große Anzahl von Medienvetretern. Der Stolz war dem für die Grabungen verantwortlichen Leiter der Kreisdenkmalpflege, Dr. Klaus Grote, schon anzuhören und anzusehen. Mit einem etwa einstündigen Rundgang durch die mehrteilige Anlage am Nordrand des Werratales, im Sudholz auf dem Burgberg etwa 1,5 km westlich von Hedemünden begann die gut organisierte Veranstaltung.

Hier das kurze Gesamtergebnis: Zwei Lager unterschiedlicher Form und Größe sind bekannt, zwei weitere Lager, entweder ein weiteres Annexlager oder unbefestigter Aktivitätsbereich vor Lager I und eventuell ein großes Marschlager werden noch am Standort vermutet.

Dr. Grote weist ausdrücklich darauf hin, dass nach Raubgrabungen und Fundverschleppungen in den Jahren 1985 und 1998 bis März 2004 kontinuierlich die vollständige flächige Prospektion mit dem Metalldetektor erfolgt ist. Alle Metallobjekte sind geborgen und Raubgrabungen an diesem Standort überflüssig. Den Raubgräbern zum Opfer gefallen sind wertvolle Münzfunde unbekannter Anzahl.

Lager I gilt als hervorragend erhaltenes Geländedenkmal eines frühkaiserzeitlichen römischen Lagers, vermutlich Versorgungslager (Typ Rödgen/Wetterau).

Lager II scheint ein kurzzeitiges Marschlager (Kohortenlager?), ebenfalls im Gelände baulich erhalten. Eine zeitliche Zuordnung beider Lager bleibt zu klären. Ein Hinweis auf die gleiche Zeit scheinen die in beiden Lagern vorgefundenen eisernen Pionieräxte (Dolabra) mit identischer Verzierung zu sein.

 

Insgesamt sind rund 100 Metallfunde gemacht worden darunter 2 Münzen, vier Pionieräxte, ein Pilum, Lanzenspitzen, mehrere Lanzenschuhe, div. Katapult-Geschossbolzen, Dechsel, Zeltheringe.

Bild 3
Identische Formen finden sich unter den Funden aus den augusteisch-tiberischen Lagern in Westfalen (Haltern), aus Xanten, Nijmengen, Kalkriese, aus süd- und mittelhessischen Plätzen (Rödgen, Waldgirmes, Hofheim und Dangstetten (Oberrhein).

Den historische Kontext fasst Dr. Grote wie folgt zusammen:
„Aufgrund –vorläufig noch ungenauer – Datierung in augusteische bis tiberische Zeit ergibt sich am wahrscheinlichsten ein Zusammenhang mit den frühaugusteischen Feldzügen unter Nero Claudius Drusus, speziell mit dem Zug um 9 v. Chr., auf der Marschlinie von Mainz über die Wetterau, Dünsberg, Mittel- und Nordhessen (chattisches Gebiet), über den Fuldaübergang bei Kassel, danach über den Kaufunger Wald zur Werrafurth von hedemünden, von dort weiter ins Leinetal (cheruskisches Gebiet ?!) und über den Raum Elze-Hildesheim nach Osten bis letztlich an die Elbe.

Ebenso wenig auszuschließen ist ein Zusammenhang mit den Feldzügen nach 9 n. Chr. (Varusschlacht), unter Germanicus um 15 und 16 n. Chr.“
Dr. Klaus Grote bezeichnet den heutigen Tag als ein Highlight für die römische Archäologie.
Bürgermeister Klaus Burhenne zeigte sich beeindruckt von den römischen Funden. Der Geschäftsführer im Naturpark Münden e.V., Rolf Clauditz, kündigte eine Wanderung zur Grabungsstätte im Sudholz für das Jahresprogramm 2005 an. Landrat Schermann begrüßt die Funde römischer Geschichte als eine Stärkung für die Bedeutung des Landkreises.

Wenn Sie sich die Grabungsstätte an den Osterfeiertagen anschauen möchten, können Sie den unten stehenden Hinweisen folgen. Für die Zukunft sind Ausschilderungen angedacht.

Anfahrt: Parken im Hedemündener Kirchweg. Von dort durch das Gewerbegebiet auf der Brücke die B 80 überqueren, links haltend den Weg zum Wald hochgehen bis zum Sudholz. Eine gefährlichere Möglichkeit (Straßenquerung) ist, den Parkplatz rechter Hand von Hann. Münden kommend, hinter der Eisenbahnbrücke, an der B 80 nutzen. Die Straße überqueren und dem Waldweg ab Schranke folgen. Weg endet im Sudholz.

Text und Bilder:
Julia Bytom
Pressestelle der Stadt Hann Münden


Quelle: HNA Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA) – 06.04.2004

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