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+++ Verlässlich geöffnete
Kirche in Hedemünden +++
Am Samstag, dem 12. April 2003 wurde in der HNA wieder umfangreich
über Hedemünden berichtet. Auf der Titelseite des Hann.
Mündener Lokalteils wird der Ort folgendermaßen charakterisiert:
"Freundlich liegt es an der rauschenden Werra, das 1500-Seelen-Dorf
Hedemünden. Vom Werratal-Radweg aus bietet der heutige Mündener
Ortsteil die vielleicht schönste Gesamtansicht."

Bildquelle: HNA
Eigentlicher Anlass für die Berichterstattung ist die Aufnahme
der Hedemündener St.-Michaeliskirche in die Reihe von bislang
rund 200 niedersächsischen Kirchen, die das Prädikat "Verlässlich
geöffnete Kirche" tragen. Dazu sind Mindestöffnungszeiten
von fünf Stunden an fünf Tagen in der Woche erforderlich,
die in Hedemünden mit täglichen Öffnungszeiten von
8:00 bis 18:00 Uhr in den Monaten April bis Oktober deutlich überschritten
werden.
Im Altkreis Münden haben sich neben der Hedemündener Kirche
auch die St.-Blasius-Kirche in Münden und die Klosterkirche
in Bursfelde der Aktion angeschlossen. Um die Offenheit nach außen
hin zu verdeutlichen wurden an den Eingängen der Kirche Plaketten
mit einer symbolischen offenen Tür angebracht, die zum Besuch
der Kirche anregen sollen. Auslöser für die Aktion war
der Ruf der evangelischen Kirchen, meist "verriegelt und verrammelt"
zu sein.

Pfarramtssekretärin Ingeborg Robbin und Küsterin
Marion Daetermann präsentieren das Signet am Eingangsportal
| Bildquelle: HNA
Der Verfasser des HNA-Artikels, Axel Schmidt, hat sich bei seinen
Recherchen auch mit der Geschichte der Michaeliskirche befasst.
Diese Chronologie wird nachfolgend in Auszügen wiedergegeben;
sie gibt neben der reinen Kirchengeschichte auch einen interessenten
Einblick in die früheren "Geschäftspraktiken"
des kirchlichen Imperiums:
"Wie ein [in der Kirche] ausliegendes Faltblatt informiert,
gehen die Ursprünge auf eine romanische Saalkirche um 900 herum
zurück, die gut 300 Jahre später erweitert wurde. Wer
dieses Gotteshaus besuchte, tat Gutes für sein Seelenheil;
Auch der ärgste Sünder verkürzte damit die Zeit,
die er in der Hölle schmoren musste. Eine Wallfahrt hierher
brachte im Jahre 1300 einen Ablass von 40 Tagen Fegefeuer-Strafe,
ab 1318 sogar 80 Tage.
St. Michael war im Mittelalter aber auch Fluchtburg für die
Dorfbevölkerung. Der fast 30 Meter hohe Turm bildete den Mittelpunkt
einer Verteidigungsanlage mit 4,50 Meter hohen Mauern, die den gesamten
Kirchhof umschlossen. Schließlich lag der Ort an der Werrafurt
an einem alten Handelsweg im Dreiländer-Eck von Thüringen,
Hessen und Niedersachsen. Da gab es oft genug handfeste Konflikte.
1725 drohte die Kirche einzustürzen. Gewölbe und Trennwand
zwischen den Schiffen wurden herausgenommen, die Ausstattung mit
Emporen, dem Holz-Tonnengewölbe, dem barocken Dach und veränderten
Fenstern erfolgte. Auch der Kanzelaltar, in den die alte Renaissance-Kanzel
eingebaut ist, wurde errichtet. Die farbige Gestaltung entspricht
heute dem Zustand von 1725.
Die Altarbilder zeigen unter anderem Mose mit den Gebotstafeln,
den Apostel Petrus mit den Schlüsseln des Himmelreichs, den
Täufer Johannes, der mit dem Finger auf Jesu' Botschaft verweist,
die von der Kanzel gepredigt wird, und den Apostel Paulus mit dem
Schwert, durch das er vermutlich starb.
Der Taufstein besteht aus einem Säulenkapitel aus der Renaissance.
Die moderne Taufschale stifteten Konfirmanden und Gemeindeglieder
1987.
Der Mittelteil des Orgelprospektes stammt von 1746. Das dahinter
stehende Orgelwerk wurde 1871 von Ph. Furtwängler in Elze gebaut.
Grabsteine an den Wänden waren 1980 unter dem alten Holzfußboden
entdeckt worden. Besonders schön ist der farbige Grabstein
der 14-jährigen 'wohlgerathenen Tochter' des Pastors Mengershausen."
Evangelische
Kirchengemeinde Hedemünden-Oberode |