3.2 Der Name der Ortschaft

Nach der ersten schriftlichen Nennung Hedemündens im Jahre 1017 gibt es nach heutigen Kenntnissen gut 200 Jahre lang keine schriftlichen Belege mehr, in denen der Name des Ortes erwähnt wird. Erst ab 1229 taucht H a d e m i n n i, diesmal als H a d e m i n n e, wieder auf und wird schließlich über viele ähnlich klingende Namen 1645 endgültig zum heutigen H e d e m ü n d e n. In den alten Urkunden können wir diese Schritte verfolgen:

Als Papst Gregor IX. in einer am 5. April des Jahres 1229 in Perugia ausgestellten Urkunde dem Kloster Kaufungen dessen Besitzungen bestätigte, wurde der Hedemündener Hof H a d e m i n n e genannt. 1239 war der Einwohner Grube Schultheiß und edler Voigt und 1246 Helwicus villius (Schultheiß) to H e d e m i n n i. Diese Schreibweise wurde in späterer Zeit verwandt (1379 und 1397). 1290 erfolgte eine Besitzbestätigung an das Kloster über den Hof H e d e m i n n e durch König Rudolf I. von habsburg. Die Namensschreibung Hedeminne fand in mehreren zeitlich voneinander getrennt ausgestellten Urkunden Verwendung, so am 6. Dezember 1294 und am 18. September 1317.

Zwischenzeitlich wählten im Jahre 1293 die Verfasser einer Verzichtserklärung des Edelherrn und Ritters Burghard von Ziegenberg hinsichtlich einiger Lebensgüter zugunsten des Klosters Kaufungen die Schreibweise H e d e m i n n e n und die Brüder von Rusteberg in einer Beurkundung über die vom Stifte Kaufungen empfangenen zwei Hufen Land zu Hedemünden die Bezeichnung H e d e m i n d en. In einer Urkunde aus dem Jahr 1355 war die Schreibweise des Ortsnamens H a y d e m i n n e und in einer anderen ein jahr später H e d e m y n.

Die Unterschiedlichkeit der Schreibweise des Namens setzte sich später weiter fort über die Bezeichnungen H e d e m y n n e (1430), H e d d e m y n (1443), H e d e m y n e n (1460), H e d e m y n n e n (1509), H e d e m i n (1512, 1571, 1584), H e d e m e n (1520, 1592, 1619), bis schließlich die endgültige Form Hedemünden erreicht wurdein der Urkunde vom 9. Juli 1645, mit der Herzog Christian Ludwig der Stadt Hedemünden ihre Privilegien und Freiheiten bestätigte und sie zugleich zum erstenmal amtlich als Stadt bezeichnete. Es gab aber auch danach noch gelegentlich Abweichungen von dieser Schreibweise.

Zur Entstehung des Namens hat es verschiedene Deutungsversuche gegeben: LOTZE nahm an, der Ort habe seinen Namen von der Mündung des Hädebaches in die Werra. HÜBENER leitete den zweiten Teil des Namens von Minne, Liebe ab, während der erste das Gegenteil, nämlich Hader, Zank, Streit und Haß bedeuteten sollte, ein Hinweis auf häufig stattgefundene Streitigkeiten in diesem Gebiet.

Diesen Deutungen wurde in einer Zeitungsabhandlung im Jahre 1905 widersprochen. Der unbekannte Verfasser berief sich auf eine Veröffentlichung von LOHMEYER: Als eine weitere Zusammensetzung mit mina sehe ich den Ortsnamen Hademinni, jetzt Hedemünden südwestlich von Göttingen, an. Der Ort liegt an dem Einflusse eines Baches in die Werra. Derselbe entspringt nach der Karte von Reymann an einem Berge, welcher daselbst 'Kl. Kopf' bezeichnet ist. Nach meiner Meinung hat der Ort von diesem Bache den Namen bekommen, darnach muß letzterer (der Bach) Hademina gelautet haben. Ich bin nun mit Förstemann (Altdeutsches Namenbuch III, 60) einverstanden, dass H a d e - stammverwandt ist mit ahd. hadu Kampf, erkläre den Namen aber nicht als 'Kampffluß', sondern bin der Ansicht, daß die ursprüngliche Bedeutung von hath, nämlich j a g e n, t r e i b e n in Betracht kommt. Die Hademina ist der 'dahinjagende Fluß' usw. Der Bach Hademina würde sich also in die große Gruppe derjenigen, die von ihrem raschen Lauf den Namen bekommen, sehr gut einfügen. Sachlich würde die Erklärung gewiß angemessen sein, denn der Bach, dessen Name leider auf der Karte von Reymann nicht angegeben ist, fließt vom Berge herab.

Der Name des Baches, um den es hier geht, fehlt auf den älteren Karten. 1806 wurde als als Mannthals Bach (der Bach, der aus dem Mannstal kommt) bezeichnet. Unterhalb des Lippoldshäuser Kirchweges wurde ein Teil seines Wassers zum Klippentor umgeleitet, wo er das Mühlrad der Klippmühle antrieb. Der Mühlenbach floß danach durch die Stein-, Rathaus- und Bachstraße weiter und mündete in der Nähe des Armenhauses in die Werra. Um 1900 nannte man den Bach in Hedemünden plattdeutsch nur "däh Bek". (Sein Lauf durch den Ort war seit 1936 nicht mehr möglich, weil der Weg zur Klippmühle durch den Bau des Autobahn-Zubringersabgeschnitten und das Wasser unterirdisch auf geradem Weg zur Werra geleitet wurde, wo es oberhalb der Brücke in den Fluß gelangt.)

K. BRETHAUER beruft sich in einem Leserbrief auf den Göttinger Germanisten und Namensforscher EDWARD SCHRÖDER und ist sicher: In Hedemünden steckt ein altes Wort -manni, -menni, -minni. Dieser Name bedeute Bach, Fluß, fließendes Gewässer. In den Ortsnamen Hademinni wird mit der Bezeichung des Gewässers der Begriff des Kampfes (unser Wort Hader kommt daher) verbunden. Also bedeutet Hedemünden den Ort, der am Streitwasser liegt.

Richtig ist die Deutung der ersten Silbe nach althochdeutschem 'hadu' = Kampf, Streit, wie in den Namen Hadubrand, Hadweg, Hedwig (erhalten im jüngeren Wort 'Hader'). Der Umlaut von Hademinni zu Hedeminni ist durch das nachfolgende i bestimmt (ebenso bei Hadwig zu Hedwig). Der Ton lag auf der ersten Silbe, wie die Schreibung Heydeminne (mit dem y als Dehnungszeichen) und die Kurzformen Hedemin, Hedemen erkennen lassen.

LOTZES Deutung ging von der jüngsten Form aus, die deutlich eine - vielleicht an Münden, Hann. Münden angelehnte - Beamtenetymologie ist; sie ist damit hinfällig. HÜBENERS Anlehnung an das Wort 'minne' = Liebe ist für einen Gewässernamen unwahrscheinlich, zumal in der Verbindung mit 'hadu' = Kampf. Die von dem Verfasser des Zeitungsartikels herangezogene Wortwurzel 'hath' = jagen, treiben ist für die frühe Zeit nicht belegt.

Wie die Deutung des Namens 'Streitwasser' zu erklären ist, bleibt offen. Es wäre wohl eher an die Werra als an den Mannstalsbach als Namensgeber zu denken. Dass die Werra, auch dem Namen nach, seit ältester Zeit ein Grenzfluß war, wäre dabei zu berücksichtigen.


Quelle: Heinrich Hampe, Hedemünden - Aus der Geschichte einer kleinen Ackerbürgerstadt
Das Buch wurde zum 975jährigen Bestehen Hedemündens im Jahre 1992 veröffentlicht. Es ist im Handel nicht mehr erhältlich. Ein Exemplar des Buches befindet sich in der Ortsbücherei Hedemünden. Auszüge aus dem Buch werden hier mit freundlicher Genehmigung von Herrn Hampe wiedergegeben.