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1.4 Die Feldmark
Die Siedlungen im südlichen Niedersachsen waren überwiegend
Haufendörfer. Auch Hedemünden hatte sich aus einem Haufendorf
zu einer kleinen Stadt entwickelt, die bis zur Zeit der Bebauung
außerhalb des alten Ortskerns die Gestalt eines Haufendorfes
behielt. Zum Ort gehörte die Feldmark, ein Gebiet, das von
den Einwohnern nach und nach gemeinsam gerodet und anschließend
verteilt worden war. Die Feldmark war in sogenannte Gewanne aufgeteilt,
die wiederum wie es die RIPKE Karte aus dem Jahre 1754 im Bereich
des großen Werders zeigt (Abb. 13) in schmale, nebeneinanderliegende
Streifen von unterschiedlicher Größe zerlegt waren. Die
dargestellte Feldaufteilung bezeichnete man als Gemenge oder Gemengelage,
eine gestückelte Beteiligung der einzelnen Bauernstellen
an den Feldern.
Diese besondere Aufteilung des Besitzes führte zum ,Flurzwang':
Die Ackerparzellen der verschiedenen Besitzer bearbeitete man gemeinsam
nach dem System der Dreifelderwirtschaft. In jährlichem Wechsel
wurde je ein Gewann mit Wintergetreide und eins mit Sommergetreide
bebaut, während das dritte brach liegen blieb.
Mit dieser Art der Bewirtschaftung erzielte man gute Erträge
und erreichte eine zeitlich einplanbare und ausgeglichene Beanspruchung
der Arbeitskräfte und Zugtiere. Der starke Bevölkerungszuwachs
im 19. Jahrhundert und der daraus resultierende höhere Bedarf
an Nahrungs und Futtermitteln erforderte eine Steigerung der landwirtschaftlichen
Produktion, die sich mit dem bisherigen Gewannsystem nur durch Erweiterung
der Anbauflächen erreichen ließ. Da dies mangels geeigneter
Bodenflächen nicht möglich war, mußte das alte Betriebssystem
abgeschafft werden. Eine wesentliche Verbesserung der Wirtschaftlichkeit
versprach man sich von der Aufhebung der Gemengelage durch die Verkopplung.
Jeder Bauer sollte statt kleiner Ackerstreifen einige größere
Flächen besitzen, die er selbständig bewirtschaften konnte.
Das Land hatte bereits mit den Verordnungen zur Ablösung der
verschiedenen Zehnten in den Jahren 1831 und 1833 die Verkopplungsgesetze
der Jahre 1842 56 vorbereitet, so daß in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts die Verkopplungsverfahren im ganzen Lande eingeleitet
werden konnten.
Durch die Verkopplung insgesamt wurde eine wesentliche Verbesserung
der Wirtschaftlichkeit erreicht, u.a. durch:
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Aufhebung der Gemengelage und Beseitigung des
Flurzwanges, |
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Anlage eines ausreichenden Wegenetzes, |
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Flächengewinn durch den Wegfall vieler
Raine, Grenzfurchen und Vorgewende und vor allem durch den Wegfall
der Gemeinheiten, |
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Einsparung an Transportarbeiten zum und vom
Feld, |
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verbesserte Einsatzmöglichkeiten von Maschinen.
Allgemeine Anwendung des technischen Fortschritts, |
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verbesserte Intensivierungsmöglichkeiten.
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Das Verkopplungsverfahren durfte erst beginnen, nachdem 3/4 der
betroffenen Ackerleute ihre Zustimmung erklärt hatten. Als
dies in Hedemünden geschehen war, wurde der Feldmesser L. Börje
mit der Vermessung beauftragt. Im Jahre 1872 zeichnete er auf 62
Einzelblättern die Hedemündener Gemarkung einschließlich
der Stadtlage. Diese Einschätzungskupons bildeten die
Grundlage für die Erfassung von Größe und Bodenbeschaffenheit
sowie für ein 1882 herausgegebenes Feld Register und sechs
Kartenblätter.
Nach einer Bewertung, die Bodenklasse und Grundstücksgröße
berücksichtigte, wurde die Neueinteilung vorgenommen. Jeder
Berechtigte erhielt für mehrere kleine Parzellen ein größeres
zusammenhängendes Grundstück. Anschließend wurden
Wege und Feldflächen vermessen und abgesteckt. Die Anlage von
Gräben an den Wegrändern und zwischen Koppeln sorgte für
die Entwässerung. Von den insgesamt etwa 661 ha gehörten
635 ha zur Verkopplungsmasse. Der Rest der Grundstücke, die
am Kalkberg, auf dem Mühlenwerder, dem Schlangenwerder und
dem Funkenwerder lagen, wurde ausgeschlossen.
Die Feldmark erhielt durch die Neuanlage der Wege und die veränderten
Feldgrößen ein anderes Aussehen (Abb. 14), ihre Ausdehnung
wurde durch die Verkopplung nicht berührt. Infolge der Zusammenlegung
entstanden große geschlossene Feldeinheiten, die dem Landwirtschaftsbetrieb
entgegenkamen, allerdings manchmal durch Erbteilung und Verkauf
bald wieder dem ursprünglichen Zustand ähnelten.
Insgesamt hat sich die Verkopplung positiv auf die wirtschaftliche
Lage der Bauern ausgewirkt. Die Zusammenlegung des stark zersplitterten
Besitzes, die Aufteilung der Gemeinheiten, die Anlage neuer Wege
und der Flächengewinn durch den Wegfall vieler Raine, Grenzfurchen
und Vorgewende bewährten sich schnell.
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