1.3.6 Die Realgemeinde

Nach langen Bemühungen erreichte die Forstverwaltung im Jahre 1881 durch ein Ablösungsverfahren die Abschaffung der Waldweidewirtschaft. Für den Verlust des Weiderechts erhielten die Berechtigten eine Abfindung. Nach der Beendigung des Ablösungsverfahrens waren die Reiheberechtigten gemeinschaftlich im Besitz einer Grundfläche in der Gesamtgröße von 6 ha 28 a 23 qm. Dazu gehörten die Flurstücke ,An der Eisenbahn' (28 a 79 qm), ,Auf dem Schützenplatz' und ,vor der Trift' (1 ha 27 a 34 qm), ,Auf den Fischhöfen' (10 a), ,Auf der Haag hinter dem Rischenbache' (39 a 50 qm), ,Bei der Haag' (23 a 10 qm), ,Auf dem Sande' (43 a 70 qm), ,An der Werra' (1 a 57 qm), ,Unter dem großen Werder' (3 a 90 qm), ,In den Ellern (1 ha 64 a 20 qm), ,Am Rischenbache' (45 a 10 qm), ,Am Burgberge' (31 a 90 qm), ,Im Rübenkampe' (45 a 86 qm) und ,Im Eichholz' (63 a 37 qm).

Alle anderen Nutzungsrechte am Wald blieben den Berechtigten erhalten: Der Bezug von Brennholz, Bauholz und sonstigem Holz (Fichtenderbstangen, Brunnenröhren, Buchenderbstangen), ferner der Bezug von Streulaub, Raff und Leseholz, die Gewinnung von Gras, Moos und Heide, das Sammeln von Beeren und Besenreisern, endlich das Brechen und Holen von Steinen aus den Steinbrüchen. Die Reiheberechtigten schlossen sich im Jahre 1890 zu einer Genossenschaft, der Realgemeinde, zusammen, um gemeinsam ihre Interessen gegenüber der politischen Gemeinde vertreten und den verbliebenen Besitz gemeinschaftlich verwalten zu können. Das Statut dieser Gemeinde trat am 9.4.1900 in Kraft. Es wurde am 20.2.1965 den veränderten Verhältnissen angepaßt und erweitert.

Im Zusammenhang mit der Verkopplung war der Hedemündener Wald nach Abschluß des Verkopplungsverfahrens auf den Namen der Realgemeinde im Grundbuch eingetragen worden. Erst nach jahrelangem Rechtsstreit erreichte die Stadt im Jahre 1907 eine Umschreibung auf die politische Gemeinde.



Quelle: Heinrich Hampe, Hedemünden - Aus der Geschichte einer kleinen Ackerbürgerstadt
Das Buch wurde zum 975jährigen Bestehen Hedemündens im Jahre 1992 veröffentlicht. Es ist im Handel nicht mehr erhältlich. Ein Exemplar des Buches befindet sich in der Ortsbücherei Hedemünden. Auszüge aus dem Buch werden hier mit freundlicher Genehmigung von Herrn Hampe wiedergegeben.