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1.1 Die Landschaft
Hedemünden liegt am Unterlauf der Werra. Der Fluß berührt
auf seinem Weg vom Südrand des Thüringer Waldes durch
das thüringisch hessische Bergland unmittelbar nach der hessisch
niedersächsischen Landesgrenze Hedemünden als ersten Ort
Südniedersachsens.
Nachdem die Werra niedersächsisches Gebiet erreicht hat, erweitert
sich ihr Flußtal zu einem Kessel mit einem Durchmesser von
etwa drei Kilometern (mittlere Höhe 130 m ü. NN). Sie
folgt dem Verlauf der begleitenden Randhöhen in nordwestlicher
Richtung. Nach dem Verlassen der Hedemündener Gemarkung treten
die Höhen auf beiden Seiten wieder dicht an den Fluß
heran.
Der Talkessel wird im Süden vom Kaufunger Wald, einem mächtigen
Gewölbe aus mittlerem Buntsandstein, umschlossen. Gegenüber
erhebt sich im Norden die Höhe des ,Hedemündener Waldes'.
Sie besteht fast ausschließlich aus Muschelkalk und bildet
die südlichste Spitze der Dransfelder Muschelkalk Hochfläche.
Die höchste Erhebung ist die ,Hohe Schleife' (442 m). Es handelt
sich im Hedemündener Bereich hauptsächlich um unteren
Muschelkalk, doch kommen auch geringe Bestände von mittlerem
und oberem Muschelkalk vor (Abb. 2).
Die Muschelkalkschichtstufen des Hedemündener Waldes setzen
sich unterbrochen durch die breite Mulde der Hedemündener Gemarkung
unmittelbar gegenüber am linken Werraufer nach Süden fort.
Dieser sogenannte Kalkberg, der Hegen, zeigt sich dort als steil
vom Flußufer aufsteigender halbmondförmiger, nach Süden
leicht abfallender Höhenrücken.
Auch das Buntsandsteingebirge des Kaufunger Waldes bildet im Hedemündener
Bereich an zwei Stellen brückenkopfartige Sporne auf dem nördlich
gegenüberliegenden rechten Werraufer: Sudholz und Tremberg.
Die Höhe des Sudholzes begrenzt den Talkessel nach Westen und
ist trotz der Abtrennung durch den tiefen Einschnitt des Flußtals
als Teil der Buntsandsteinscholle des Kaufunger Waldes zu erkennen.
In nördlicher Richtung schließt sich die flache Mulde
von Lippoldshausen an. Sie bildet einen allmählichen Übergang
zu den aufsteigenden Muschelkalkhöhen im Norden und geht nach
Osten in die Hedemündener Mulde über.
Die Zugehörigkeit zur mächtigen Buntsandsteinscholle
des Kaufunger Waldes ist beim zweiten Bergsporn, dem Tremberg, auf
den ersten Blick nicht zu erkennen. Er schließt sich ohne
scharfe Trennungslinie an den Höhenzug des nördlich gelegenen
Kalkschichtenblockes an. Seine Verbindung mit dem Kaufunger Wald
nach Süden ist durch die Blickershäuser Mulde unterbrochen.
Der Tremberg besteht jedoch aus dem gleichen mittleren Buntsandstein
wie das Massiv des Kaufunger Waldes.
Die beiden begleitenden Randhöhenzüge fallen in sanfter
Neigung, jeweils leicht terrassiert, zur Werra hin ab. Auf den Höhen
und besonders an den Hangflächen treten die Grundgesteine heute
kaum mehr an die Oberfläche, sie sind mit Löß überweht
worden. Diesen feinkörnigen, sandigen, mineralhaltigen, z.
T. auch lehmigen Staubablagerungen verdanken die aus den einzelnen
Gesteinsschichten entstandenen häufig unfruchtbaren Verwitterungsböden
ihre pflanzliche Bedeckung. Auf dünnen Schichten des Lößbelages
war nur eine spärliche Bodennutzung möglich, mit zunehmender
Mächtigkeit der abgelagerten Schicht nahm die Fruchtbarkeit
zu.
In Hedemünden konnte sich an den Höhen des Stadtwaldes
und den stark geneigten Hängen, z.B. am Fuchsberg, erosionsbedingt
keine dicke Lößschicht halten. Auf den nur wenig fruchtbareren
weichen Sandmergeltonen des Röts, das sich von den oberen Lagen
der Güldenbreite, der Roten Erde, des Uhlenhohls und des Oberen
Felds bis zum Hainrott als schmaler Streifen unterhalb der heutigen
Waldgrenze hinzieht, wurde wegen der geringeren Hangneigung eine
etwas dickere Schicht des Lößbelages gebunden. In den
flachen Tallagen entstand naturgemäß die dickste Schicht,
die den Anbau anspruchsvoller Pflanzenarten ermöglichte. Diese
Lößmulde zieht sich nach Süden und Südwesten
über die Werra bis an den mittleren Buntsandstein unterhalb
des Kaufunger Waldes hin und erstreckt sich im Nordwesten bis in
die Gemarkungen von Lippoldshausen und Wiershausen.
Aus der jüngeren erdgeschichtlichen Vergangenheit stammen
einige Erhebungen vulkanischen Ursprungs. Als Folge der Vulkantätigkeit
finden wir im Hedemündener Wald Basaltvorkommen am Großen
Kopf und am Badestein, der zum Bereich der Hohen Schleife gehört.
Unter dem Basalterguß der Vulkane lagern meist unterschiedlich
dicke Schichten weißer bis hellgelber tertiärer Sande.
Das Hedemündener Muschelkalkrevier ist durch eingeschnittene
Täler stark zergliedert: Mannstal, Im Winkligen Tal und Festentalsgrund
bilden die tiefsten Einschnitte nordöstlich des Talkessels.
Auch auf der anderen Seite der Werra sind zwei Täler in das
Sandsteingebirge des Kaufunger Waldes eingeschnitten: Wittegrund
und Enzeroder Grund.
Diese Einschnitte sind im Laufe vergangener Zeiten von abfließenden
Wassern, die dem Fluß am Grunde des Kessels zustrebten, vertieft
worden. Viele Bäche brachten besonders bei starken Regengüssen
und Schneeschmelzen Geröll mit und luden es an den Ufern der
Werra und im Fluß ab. Dadurch entstanden große Kies
und Geröllablagerungen, die das Flußufer im Laufe der
Zeit erhöhten und befestigten. An den Einmündungen bildeten
sich am Grunde des Flußbettes Steinbarrieren und Kiesbänke,
die dem Schiffsverkehr erhebliche Schwierigkeiten bereiteten.
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