4 Handlungskonzept

Die vom Planungsbüro Deszcyk vorgeschlagenen Maßnahmen zur Aufwertung der historischen Hedemündener Ortsmitte richten sich in erster Linie auf Umgestaltungen im öffentlichen Straßenraum. Unmittelbar nach Bewilligung der Fördermittel des Landes Niedersachsen konnte mit der Realisierung größerer Baumaßnahmen begonnen werden, die anschließend Vorbildcharakter für private Investitionen hatten.

An dieser Stelle soll kurz der Charakter von Mitteln für die Städtebauförderung, zu der auch die Dorferneuerung zählt, erläutert werden. Es handelt sich dabei in der Regel nicht um Subventionen, also staatliche Mittel, die privaten Unternehmen oder Haushalten für die Umsetzung bestimmter Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden, ohne die Gewissheit zu haben, einen Mehrwert zu erzielen. Untersuchungen haben ergeben, dass Mittel für die Städtebauförderung private Investitionen in fünf- bis zehnfachem Umfang [3] nach sich ziehen und somit für volkswirtschaftliche Gewinne sorgen. Üblicherweise werden von Seiten der öffentlichen Hand Vorleistungen für die Herstellung oder Instandsetzung der Infrastruktur geleistet, zum Beispiel Straßen umgebaut oder verkehrsberuhigt, Plätze oder Grünflächen angelegt. Nach Abzug der Anliegerbeiträge verbleibt ein bestimmter Betrag als öffentlicher Anteil an den Erneuerungsmaßnahmen. Durch die Aufwertungen des öffentlichen Raumes und den zusätzlichen Anreiz von Fördermitteln werden private Haus- und Grundeigentümer dazu angeregt, ebenfalls Instandsetzungs- und Verschönerungsmaßnahmen an ihren Häusern und auf ihren Grundstücken durchzuführen. In ihrer Summe übersteigen die privaten Aufwendungen den Einsatz öffentlicher Mittel für Vorleistungen und Fördergelder um ein Mehrfaches. Der Erfolg dieser Art von Förderung besteht einerseits darin, eine Aufwertung des Ortsbildes und der Bausubstanz zu erzielen und andererseits die private (meist örtliche) Bauwirtschaft anzukurbeln.

Vor diesem Hintergrund sind die im Dorferneuerungsplan empfohlenen Handlungsbausteine nicht nur als gestalterisch-ästhetische Aufwertungsmaßnahmen für den Hedemündener Ortskern zu sehen, sondern auch als Maßnahmen der Wirtschafts- und Strukturförderung.

4.1 Gestaltung der öffentlichen Räume

Der Dorferneuerungsplan macht unter anderem folgende Vorschläge für die Aufwertung der öffentlichen Räume, von denen der überwiegende Teil inzwischen umgesetzt ist:

Rückbau der Straßen im Ortskern
Hierdurch sollen langsame und angepasste Fahrgeschwindigkeiten erzielt werden, die Gestaltung und Aufteilung der Fahrbahnen erfolgt in Anlehnung an historische Vorbilder. Die Entwurfsvariante mit vollständiger Pflasterung der Fahrbahnen in Naturstein wurde aus Kostengründen nur an wenigen Kreuzungsbereichen umgesetzt. Ansonsten besteht die Fahrbahn aus einem Asphaltband mit seitlichen Banketten aus Natur- bzw. Betonstein. Inzwischen wurden die Straßen An der Michaeliskirche, Oppertor, Rathausstraße, Steinstraße, Hinterstraße und Bachstraße entsprechend umgestaltet.


Oppertor

Steinstraße

Bepflanzung der Straßen und Plätze
Im Straßenraum wurden an einigen Stellen kleinkronige Bäume gepflanzt, zum Beispiel An der Michaeliskirche vor der ehemaligen Schule und im Einmündungsbereich zum Oppertor, in der Steinstraße wurden auf einer Straßenseite Zierkirschen angepflanzt.


An der Michaeliskirche

Steinstraße

Umgestaltung des Platzes an der "Schanze"
Hier wurde der vorhandene Brunnen renoviert und entsprechend dem Dorferneuerungsplan ein Spielplatz eingerichtet sowie Sitzbänke aufgestellt.


Neugestaltung Schanze
 

Ausbau der Kreuzung Mündener Straße/Brückenstraße/Oppertor
An dieser Kreuzung treffen fünf Straßen zusammen. Da die bisherige Vorfahrtregelung nach dem Wegfall der Durchfahrtverkehre entfallen kann, wird die Einrichtung eines Kreisverkehrsplatzes vorgeschlagen. Auf diese Weise läßt sich die heute unübersichtliche Verkehrsfläche neu gliedern und der Verkehr verflüssigen. Die Mittelinsel und die neu gewonnenen seitlichen Flächen können ansprechend gestaltet werden. Das Bauvorhaben wurde im Jahr 2002 umgesetzt.


Mittelinsel mit Blumenschmuck

Einmündungsbereich mit Fußgängerüberwegen

Zugang zum Werraufer
In der Straße An der Mühle besteht heute die Abgrenzung zur Werra aus einer doppelten Leitplanke, die gestalterisch unattraktiv ist. Es wird vorgeschlagen, den Straßenraum durch einen stegartigen Anbau aus Holz zu vergrößern und entlang des Ufers Bänke aufzustellen. Aufgewertet werden soll auch der Uferbereich am "Schlagdbaum", wo eine Uferpromenade entstehen könnte. Diese Maßnahmen wurden noch nicht realisiert, zur Zeit ist die Finanzierung nicht gesichert.


Neugepflanzte Bäume am Schlagdbaum


Gestaltung der Ortseingänge
Die bisherige Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 80 wurde bereits entsprechend dem Dorferneuerungsplan zurückgebaut. Da die ursprüngliche Breite der Fahrbahn nicht mehr benötigt wurde, konnte an den Ortseingängen ein jeweils einseitiger Gehweg angelegt werden, der durch einen Grünstreifen mit Baumpflanzungen von der Fahrbahn getrennt ist. Durch die Einengung lassen sich die Geschwindigkeiten auf der Straße verringern und eine angenehm gestaltete Einfahrt in die geschlossene Ortslage herbeiführen. Leider wurde auch der Fahrradverkehr auf die schmalen einseitigen Wege verlagert, so dass an den Endpunkten gefährliche Querungen notwendig sind.


Östliche Ortseinfahrt

Zurückgebaute ehemalige B 80

4.2 Gestaltung privater Flächen und Gebäude

Um den Charakter eines in sich geschlossenen Ortskerns mit einheitlichen Gestaltungsmerkmalen wiederherzustellen, macht der Dorferneuerungsplan Vorschläge für die Gestaltung der Häuser und die Bepflanzung der Gärten und Höfe. Die Umsetzung dieser Maßnahmen hängt von der Bereitschaft der privaten Eigentümer ab, den Plan zu akzeptieren. Da jedoch die Bewilligung von Fördermitteln von der Einhaltung bestimmter Gestaltungsprinzipien abhängt, ist davon auszugehen, dass den Vorschlägen weitgehend gefolgt wird.

Renovierung und Umgestaltung von Fassaden
Die erhofften privaten Folgeinvestitionen sind inzwischen im großem Umfang eingetreten. Viele Gebäude in den Straßen des Ortskerns erstrahlen bereits in neuem Glanz. Bei den Renovierungs- und Erneuerungsarbeiten wurden durchgängig die historischen Fensterformate und –gliederungen aufgenommen und eine insgesamt sehr harmonisch aufeinander abgestimmte Farbgestaltung der Fassaden vorgenommen. Auch Details wie Treppen, Vordächer oder Jalousien sind vielfach auf die Eigenarten der Gebäude abgestimmt worden.


An der Michaeliskirche

Rathausstraße


Rathausstraße

Rathausstraße

Steinstraße

Bepflanzung der Gärten und Vorgärten
Der Dorferneuerungsplan enthält Listen mit geeigneten einheimischen und standortgerechten Pflanzen, die für die Gestaltung der Vorgärten, Gärten und Höfe besonders geeignet sind. Viele Anregungen wurden bereits in die Praxis umgesetzt und bereichern inzwischen das Ortsbild. Vielfach wurden vor den Häusern zusätzlich Blumenkübel und -tröge sowie Bänke aufgestellt.


An der Michaeliskirche


Einfriedigungen
Die Vielfalt an unterschiedlichen Einfriedigungen stört oft das Erscheinungsbild eines ansonsten recht einheitlich gestalteten Ortes. Daher werden im Dorferneuerungsplan auch Anregungen für ortstypische Mauern, Zäune und Hecken gegeben. Auch in diesem Punkt sind schon Erfolge zu verzeichnen.

Befestigung der Wege und Stellplätze
Der generelle Hinweis, Freiflächen möglichst wenig zu versiegeln und vorhandene Stellplätze, Wege und Hofflächen möglichst zu entsiegeln, entspricht dem lange geforderten schonendem Umgang mit dem Umweltmedium Boden. Hierbei handelt es sich um einen Vorschlag, der neben den Vorteilen für den Wasser- und Bodenhaushalt auch zu einer deutlichen gestalterischen Aufwertung führen kann, wenn die Flächen bepflanzt werden.

4.3 Vorschläge außerhalb des historischen Ortskerns

Auch wenn das Planungsbüro nicht ausdrücklich mit der Untersuchung der außerhalb des historischen Ortskerns gelegenen Gebiete beauftragt war, finden sich im Dorferneuerungsplan interessante Anregungen für die zukünftige Entwicklung dieser Teile Hedemündens. Leider konnten diese Maßnahmen aufgrund fehlender Mittel oder aufgrund der Eigentumsverhältnisse nicht umgesetzt werden.

Straßenrückbau am Fuchsberg
Die Straßen im Baugebiet am Fuchsberg wurden für ein reines Wohngebiet vollkommen überdimensioniert hergestellt. Es wäre wünschenswert (aber wohl kaum finanzierbar) diese Straßen auf das notwenige Maß zurückzubauen und durch Baumpflanzungen neu zu gliedern.

Wohnungsbau am Bahnhof
Das Planungsbüro Desczyk machte einen interessanten Vorschlag für die derzeit als Schrott-Lagerplatz genutzte Fläche zwischen Mündener Straße und Bahnhof. Es handelt sich dabei um eine ideale Fläche für den Wohnungbau und eine eventuelle Ergänzung durch ein kleines Nahversorgungszentrum. Leider befindet sich diese Fläche in Privateigentum und steht somit für eine höherwertige Nutzung derzeit nicht zur Verfügung.

  Anmerkung:
[3] Untersucht wurde dieser Zusammenhang z.B. vom Bayerischen Staatsministerium des Innern - Oberste Baubehörde, Für die Zukunft unserer Städte und Dörfer, München 1993. (zurück zur Textstelle)

Quellenangabe:
Autor: Thomas Robbin, Dezember 2001. Die Informationen wurden entnommen aus: Dorferneuerung Hedemünden - Bestandsaufnahme und Planungskonzept, Dipl.-Ing. Architekt Joachim Desczyk, Hannover/Hedemünden 1991
Ein Exemplar des Dorferneuerungsplanes befindet sich zur Einsicht in der Ortsbücherei Hedemünden.


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